Wurfsendung der BISS vom 18.09.2003

Befürchtungen der BISS konkretisieren sich!

Entscheidung für das Hotel bereits gefallen?

Hotel auf der Scharrau mit mindestens 120 bis 180 Zimmern? Willersinn will mehr?

Naherholung vor dem Aus?

150.000 Besucher im Jahr mit ihren Fahrzeugen stören die Natur nicht?

Willersinn sperrt die Scharrau?

Südufer-Weg vor der Sperrung?

Werden die Bürger nicht gefragt?

Bürgerversammlung zum Silbersee am 30. September 2003!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

seit unserer letzten Wurfsendung vom 16.10.2002 ist, teilweise von der Öffentlichkeit unbemerkt, viel geschehen. Mit dieser Wurfsendung möchten wir Sie über den aktuellen Stand zur Zukunft des Silbersees und das Hotel auf der Halbinsel Scharrau, informieren.

Wir haben einen der heißesten Sommer der letzten Jahrzehnte erlebt. Und entgegen aller Spekulationen hat sich gezeigt, dass der See zwar angenommen, aber nicht über Gebühr beansprucht wird; der Massenansturm war ausgeblieben. Noch ist es möglich: Naherholung vor unserer Haustür ohne Massenbetrieb. Allerdings hat sich gezeigt, dass die von der BISS schon wiederholt angemahnte Lösung der Müllentsorgung noch nicht geleistet wurde.

Von einer Überlastung des Sees und einer Störung des Naturschutzgebiets Hinterer Roxheimer Altrhein konnte selbst an den heißesten Tagen nicht gesprochen werden! Dieser Umstand allein begründet schon die Frage nach der Notwendigkeit einer kostenintensiven Neuordnung der Naherholungsnutzung am Silbersee.

Mit der letzten Wurfsendung hatten wir Sie informiert:

Die Firma Willersinn hatte nun den beiden am See ansässigen Wassersportvereinen die Pachtverträge für ihre Gelände gekündigt. Offenkundig sind die Vereine auf der Halbinsel Scharrau nicht mehr erwünscht, werden doch die Kündigungen seitens der Firma Willersinn unter anderem damit begründet, die Scharrau für Veranstaltungen komplett absperren zu wollen. Die Suche nach neuen Standorten beginnt; zwei Alternativen werden diskutiert:

Für die Bevölkerung wird eine Verlagerung der Wassersportvereine nicht ohne Folgen bleiben, wird doch dadurch ein zusätzlicher Uferbereich der allgemeinen Nutzung und dem Naturschutz entzogen. Dies ist mit den Zielen der BISS nicht vereinbar. Die BISS lehnt deshalb eine Verlagerung der Wassersportvereine ab!

Auch der Verein für Naturschutz und Heimatpflege lehnt die Verlagerung aus wohl erwogenen Gründen ab.

Erstmals Zahlen zur Dimension des Hotels öffentlich vorgelegt

Im Rahmen des vom ROV geführten Verfahrens wurden nunmehr erstmals Zahlen aus einer Marktstudie der von der Firma Willersinn mit der Konzeptionsplanung des Hotels beauftragten Firma ACI öffentlich vorgelegt:

Hierbei handelt es sich wohlgemerkt um die Vorlage erster Zahlen, die zumindest was das Verkehrsaufkommen und die Parkplatzzahl angeht, viel zu niedrig angesetzt sind. Mehr Informationen zu dem Hotelvorhaben war die Firma Willersinn bisher jedoch weder in dem vom ROV geführten Verfahren, noch an anderer Stelle bereit offen zu legen. Diesen Zustand hält die BISS für nicht mehr tragbar, insbesondere je weiter die eingeleiteten Verfahren fortschreiten.

Die BISS fordert von der Firma Willersinn endlich die Offenlegung all ihrer Planungen am Silbersee.

Aber auch mit den vorgelegten Zahlen sind die Befürchtungen der BISS bestätigt: Gebaut wird kein "grünes Hotel", wie es sich Bürgermeister Gräf erwünscht hat. Stattdessen ein Klotz mit mindestens 120 bis 180 Zimmern mit je 36 qm und einer Bruttogeschossfläche von rund 9.000 qm. Wurde die BISS vor einiger Zeit noch der "Panikmache" und des "Aufbauens eines Popanz" bezichtigt, so zeigt sich immer mehr, dass sich unsere Informationen und die sich daraus ergebenden Einschätzungen der Situation immer mehr bewahrheiten.

Auf der Scharrau soll ein Hotel etabliert werden, das in seinen Dimensionen und seiner Beanspruchung durch Hotelgäste nicht in dieses hochsensible Gebiet einzufügen ist – liegt doch der Standort im Zentrum unserer Naherholungs- und Naturschutzgebiete und ist sogar selbst Bestandteil des Vogelschutzgebiets.

Wie aber wird das Gebiet durch die Gäste des Hotels beansprucht? Offiziell werden Angaben hierzu verweigert. Sie sind aber unabdingbar, um die zusätzliche Belastung des Gebiets zu begreifen, steht doch für die Gemeinderatsmitglieder in der nächsten Zukunft eine Entscheidung für oder gegen ein Hotel in dieser Dimension an.

Nach einer Berechnung der BISS kommen durch das Hotel rund 150 000 Personen pro Jahr zusätzlich an den Silbersee. Damit wird sich die Besucherzahl gegenüber heute etwa vervierfachen. Ist das verträglich mit der Vogelschutzrichtlinie? Kann dies ohne negative Auswirkungen auf die Natur und die Naherholungs-Interessen der Region bleiben?

Die BISS sagt nein! Deshalb lehnen wir ein Hotel auf der Scharrau ab!

Und mit den Worten des Vereines für Naturschutz und Heimatpflege ist fest zu halten, dass die Bürger des Ortes den See bald nicht mehr wieder erkennen werden, sollten die Pläne für ein Hotel zur Umsetzung gelangen.

Das "Mediationsverfahren" zur Entwicklung des Silbersees

Den sporadischen Mitteilungen in der Presse war zu entnehmen, dass seit dem 23. Januar 2003 das von dem ROV geleitete Verfahren zur künftigen Nutzung des Silbersees stattfindet. Es fanden 5 Treffen statt, an denen rund 40 Vertreter verschiedenster Gruppen und Vereine und auch ein Vertreter der BISS teilnahmen. Naturschutzfachlich wird das Verfahren begleitet von der Fachhochschule Nürtingen. Eine Stichwortsammlung sollte als Basis für eine naturschutzfachliche Bewertung der geplanten Vorhaben und Nutzungen am Silbersee dienen.

Am 9. Juli wurde der Gemeinderat im nicht öffentlichen Teil durch den ROV/FH Nürtingen über den Stand des Verfahrens informiert.

Im Verlaufe der 5 Arbeits-Treffen hat sich gezeigt, dass an einer wirklichen Diskussion über den Sinn und Unsinn eines Hotelbaus auf der Scharrau bei dem ROV und vielen am Verfahren Beteiligten keinerlei Interesse bestand. Die Diskussion wurde vielmehr gezielt vermieden, mit dem Argument, Auswirkungen können nicht abgeschätzt werden, da keine konkreten Planungsunterlagen vorlägen.

Das ist ein entscheidendes Versäumnis: Es kann nicht sein, dass ein Hotel ohne Bezug zur Umwelt betrachtet wird. Dies ist fern jeder Realität. Hotel- und Restaurantgäste werden sehr wohl die Möglichkeiten nutzen, welche die Natur ihnen hier bietet. Das ist verständlich und unvermeidlich. Nicht nur das: Diese Nutzungsmöglichkeiten werden mit Sicherheit Teil des Marketingkonzepts für dieses Hotel sein. „Hotel der gehobenen Klasse in ruhiger Umgebung im Herzen der Naturschutzgebiete im Rhein-Pfalz-Kreis. Der umgebende private See bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten wie Segeln, Surfen (eigene Surfschule), Schwimmen, Tauchen. Auch der Naturgenießer findet hier eine Oase. Ein Beobachtungsturm bietet Einblick auf einen Zugvogelrastplatz von europäischem Rang, ruhige Pfade in den Naturschutzgebieten laden zum Spazierengehen ein. Ein Spaßbad ist zu Fuß zu erreichen. Die Anreise mit dem Hubschrauber ist möglich." Eine Utopie?

Um die drohenden Konsequenzen einschätzen zu können und damit dies eine Utopie bleibt, fordert die BISS, dass Szenarien diskutiert werden, wie die Gäste des Hotels ihre Freizeit verbringen und welche konkreten Belastungen und Einschränkungen für die Allgemeinheit und die Natur dadurch entstehen.

Für Baden, Naherholung, Naturschutz und Wassersport wurden diese Überlegungen mit geschätzten Zahlen bereits angestellt. Wohlgemerkt, eine detaillierte Ausarbeitung, die seitens der BISS gerade wegen ihrer Ergebnisoffenheit sehr begrüßt wird.

Die BISS fordert für die Frage einer Folgenutzung der Halbinsel Scharrau eine ebenso detailliert ausgearbeitete Untersuchung mit Vor- und Nachteilen für die Scharrau, je nachdem welche Folgenutzung auf der Scharrau beabsichtigt ist. Es ist zu untersuchen, wie sich ein Hotelbau auswirkt und wie sich die Scharrau entwickeln kann, wenn dort kein Hotel gebaut wird.

Derzeit verdichtet sich für die BISS, aber auch bei anderen Gruppen, der Eindruck, dass bezüglich des Hotelbaus auf der Scharrau keine ergebnisoffene Diskussion geführt wird, sondern die Frage des Ob eines Hotelbaus bereits entschieden ist und es nur noch um die Frage des Wie geht und wie sich die übrigen Nutzungen des Sees hiermit in Einklang bringen lassen.

Aufgrund der Form der Diskussion über die Frage des Hotelbaus kann das sogenannte Mediationsverfahren nur als Farce und Alibi bezeichnet werden. Leisten wir gemeinsam einen Beitrag, damit mit diesem Verfahren sowohl der Wille der Bevölkerung als auch die Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden.

Einschränkungen für Baden und Wandern

Nach den Konzepten von ROV/FH Nürtingen sollen Badenutzung und Wandern teilweise erheblich eingeschränkt werden. So sieht deren Entwurf gar die Sperrung des Weges entlang des Silbersee-Südufers vor. Begründet werden diese Einschränkungen jedoch nicht mit konkreten Auswirkungen auf Vögel etc., sondern mit dem Entwicklungspotenzial. Dies ist mit der BISS so nicht zu machen! Wir werden eine Sperrung des Rundwegs nicht akzeptieren. Auch eine Konzentration des Badens soll nach unserer Vorstellung nicht in dem vorgestellten Maß erfolgen.

Kein Anschluss an B 9 – weiterhin Baden im Südwesten

Positiv für die BISS ist, dass ROV/FH Nürtingen von einem Anschluss an die B 9, wie von der Firma Willersinn gefordert, abraten. Auch soll das Baden im Südwesten des Sees (bei DLRG-Station) erlaubt bleiben.

FWG fordert im Gemeinderat einen Bürgerentscheid

In einer der letzten Gemeinderatssitzungen hatte die FWG einen Antrag auf Durchführung eines Bürgerentscheides über die Entwicklung des Silbersees eingebracht. Über diesen Antrag soll nach der öffentlichen Vorstellung der Ergebnisse des ROV-Verfahrens entschieden werden.

Auch die Fraktionen von CDU und SPD hatten, als Willersinn erstmals die Idee eines Spaßbads am Silbersee vorgebracht hatte, einen Antrag eingereicht, einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Dieser Antrag fand damals die vollste Unterstützung des Bürgermeisters, während er nunmehr erklärt, ein solcher Antrag sei nicht mehr geboten, da sich ja heute die Forderungen der Firma Willersinn von damals unterscheiden.

Die BISS hält es, ebenso wie der Vertreter der FH Nürtingen, für notwendig, den Willen der örtlichen Bevölkerung zu erforschen. Die BISS unterstützt den Antrag der FWG und fordert von der Gemeinde Bobenheim-Roxheim einen Bürgerentscheid über die künftige Entwicklung des Silbersees. Wir möchten aber auch daran erinnern, dass wir bei unserer Unterschriftenaktion vor eineinhalb Jahren mehr als 2600 Unterschriften gegen ein Hotel und für den Erhalt des Rundwegs gesammelt hatten.

Bürgerversammlung am 30. September 2003

Für den 30. September 2003 (19.00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle) ist von der Gemeinde beabsichtigt, die Bürgerinnen und Bürger des Ortes in einer Veranstaltung über die Ergebnisse des vom ROV geleiteten Verfahrens zu informieren und die entwickelten Konzepte (ein Hotel ist in allen Entwürfen vorgesehen) darzustellen. Es ist vereinbart, dass der ROV aber u. a. auch das alternative Konzept der BISS vorstellt.

Nehmen Sie an dieser Veranstaltung teil! Äußern Sie Ihre Meinung! Informieren Sie sich über das alternative Nutzungskonzept der BISS: www.silbersee-biss.de

Es geht um unseren Silbersee, es geht um unsere Naherholung und es geht um die Natur vor unserer Haustür.

Mach mit!

B I S S

- für Naherholung am Silbersee in natürlicher Umgebung und ohne Kommerz -

Bobenheim-Roxheim, 19. September 2003

Ihre Ansprechpartner:

Andreas Pacyna, Bahnhofstr. 20a, 67240 Bobenheim-Roxheim, Tel: 06239/3793, RAPacyna@t-online.de

Michael Demessier,Leipziger Str. 6, 67240 Bobenheim-Roxheim,Tel: 06239/3618, michael.demessier@nexgo.de

Ottmar Wandel, R.-Wagner-Str. 45, 67240 Bobenheim-Roxheim, Tel: 06239/7525, Ottmar.Wandel@freenet.de